Samstag, 01. November 2014

Thema des Monats

Google und der Datenschutz (07.07.2008)

"Don't be evil", so lautet das Firmenmotto von Google. Sei nicht böse. Man möchte es dem Unternehmen nur zu gerne glauben. Nur: Wer definiert, was gut ist und was böse, wo im Einzelnen die Grenze verläuft? Dass Google ein ungeheures Potenzial hat, viele kreative Mitarbeiter, interessante, spannende und nützliche Dienste und Produkte, all das bestreitet niemand ernsthaft. Aber viele machen sich auch Gedanken über das, was bei Google so alles im Hintergrund passiert. Denn nur wenige Unternehmen haben Zugriff auf derart viele Daten wie Google. Aus der einstigen Suchmaschine ist zweifellos der mit Abstand größte Datensammler der Welt geworden.

Google kann heute schon Profile erstellen

Screenshot Google Suchmaske

Durch die Verzahnung der zahllosen Dienste kann Google lupenreine Profile jedes einzelnen Benutzers erstellen, sofern er intensiv Gebrauch von Googles Diensten macht: Welche Webseiten wurden in den letzten Tagen gesucht - und angeklickt? Google weiß es. Wie viele Mails sind gekommen, und auf welche wurde geantwortet? Wenn Google Mail benutzt wird, lässt sich das beantworten. Nach welchen Restaurants wurde gesucht, und hat der Benutzer auch die entsprechenden Onlinekarten ausgedruckt? Google Map und Google Earth liefern die Daten. Welche Nachrichten haben ihn neugierig gemacht (Google News), welche Krankheiten hat der User (Google Health), welche Anzeigen wurden angeklickt (Google AdWords und Google AdSense)?

Google verfügt über ein beeindruckendes Datenimperium. Die Daten sind auf zigtausend Servern überall auf der Welt gespeichert. Eine beeindruckende Leistung. Irgendwie wäre den meisten Datenschützern aber wohler in ihrer Haut, wenn Google nicht so ein Geheimnis darum machen würde, welche Daten gespeichert werden - und zu welchem Zweck. Selbstverständlich erwartet niemand, dass Firmengeheimnisse preisgegeben werden. Aber es wäre gut zu wissen, welche Daten konkret erfasst und dauerhaft gespeichert werden - und was mit den Daten eigentlich in der Praxis angestellt wird.

Viacom hat auf die Herausgabe von Daten geklagt

Aber Google schweigt - und verweist immer wieder auf sein Firmenmotto, "don't be evil". Als könne nichts passieren, eben weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Auf Dauer wird das allerdings nicht gut gehen. Vertrauen ist ein kostbares Gut, und wenn sich die Vorwürfe oder Verdachtsmomente häufen, dann wird Google irgendwann nicht mehr anders können als sich zu öffnen, endlich mal Einblicke in die Datenkeller zu gewähren. Erste Anzeigen gibt es bereits.

Wenn etwas ans Tageslicht gerät, allerdings immer nur, weil irgendjemand den Datenriesen vor Gericht zerrt. Wie gerade erst: Der Medienkonzern Viacom hat gegen Google geklagt, weil auf Youtube Tausende von Musikvideos zu sehen waren und zu sehen sind. Videos, die normalerweise auf Sendern wie MTV oder VH-1 laufen - und den Viacom-Sendern Geld einbringen. Oder besser: Einbrachten. Denn seitdem es Youtube gibt, schauen die Kids die Videos lieber dort. Da ist die Bildqualität zwar schlechter, dafür können sie die Videos genau dann sehen, wenn sie es wollen.

Gläserne User

Den Musiksendern hingegen läuft die Kundschaft weg. Darum hat Viacom geklagt - und fordert rund eine Milliarde Dollar Schadenersatz. Ob diese Forderung gerechtfertigt ist oder nicht, kann tatsächlich nur einer beantworten: Google. Denn nur Google weiß, welche Videos es gab und gibt, wann sie online gingen, wer sie ins Netz gestellt hat und wie oft sie angeschaut wurden. Mit Hilfe dieser Daten ließe sich der Schaden ganz gut bemessen. Klar, dass Google diese Daten nicht freiwillig rausrückt. Aber jetzt hat ein New Yorker Gericht Google genau dazu verdonnert und mit dieser Entscheidung im Internet einen Donnerhall der Empörung losgetreten. Man befürchtet das Schlimmste, nämlich dass persönliche Daten die Runde machen.

Die Sorge ist berechtigt: Selbst Webseiten, in denen Youtube-Videos eingebunden sind oder waren, soll Google laut Gericht bekannt geben (dass die Daten vorliegen, daran kann kein Zweifel bestehen). Nun will auch Viacom nicht böse sein - und versichert, kein einziger Youtube-Konsument, ob er nun Videos eingestellt oder nur angeschaut hat, müsse befürchten, von dem Konzern irgendwann vor den Kadi gezerrt zu werden. Es gehe einzig und allein darum, das Maß des Schadens zu ermitteln.

Konsumenten sollen verschont bleiben

Auch das glaubt man gerne. Zumindest erst mal. Beim nächsten Mal, wenn wieder ein paar Dutzend Jugendliche exemplarisch für Urheberrechtsverstöße vor Gericht zitiert werden, könnte es schon wieder anders aussehen. Denn ist erst mal deutlich, welche Datenberge sich im Internet anhäufen, dann wachsen auch die Begehrlichkeiten. Irgendwann wird dann wohl auch die hiesige Politik Wind davon bekommen. Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis man auch hierzulande Zugriff auf die Daten verlangt.

Der Datenschutz hat derzeit einen schweren Stand. Er sollte einen viel höheren Stellenwert haben. Denn der einfache Benutzer hat keine Vorstellung davon, welche Daten konkret beim Surfen im Web anfallen und was sich damit alles anstellen lässt. Es verrät einem auch keiner. Vermutlich aus gutem Grund.

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