Samstag, 02. August 2014

Das Thema des Monats

Wikipedia, das Volkslexikon? (10.01.2006)

Wikipedia kennt heute eigentlich fast jeder, der ins Internet geht. Das kostenlose und werbefreie Online-Lexikon hat sich innerhalb kürzester Zeit eine Menge Respekt verdient. Millionen Menschen in aller Welt schlagen regelmäßig und gerne bei Wikipedia nach. Kostenlos kann Wikipedia nur deswegen sein, weil eine Heerschar von Freiwilligen an dem Online-Lexikon arbeiten: Jeder kann Beiträge bei Wikipedia einstellen oder bestehende Texte bearbeiten. Ein demokratisches Lexikon, sozusagen.

Stärke und Schwäche gleichzeitig: Jeder kann mitmachen

Doch die große Stärke von Wikipedia ist gleichzeitig auch eine Schwäche. Denn wenn sich praktisch jeder als Autor oder Redakteur verdingen kann und zudem alles sofort online geht, schleichen sich mitunter auch Fehler und Falschinformationen ein. Manchmal ungewollt, aber mitunter auch vorsätzlich. In den USA sind in letzter Zeit einige besonders krasse Fälle bekannt geworden: Da wurde zum Beispiel einem US-Journalisten eine Beteiligung am Attentat auf John F. Kennedy nachgesagt - wochenlang konnte man das bei Wikipedia nachlesen.

Im deutschsprachigen Teil von Wikipedia wurde tagelang behauptet, der bekannte Schweizer Informatik-Professor Betrand Meyer sei tot. Nur zwei Beispiele, die zeigen: Wenn jeder bei einem Online-Lexikon mitmachen kann, ist es mit der Verlässlichkeit der veröffentlichten Informationen nicht zum Besten bestellt. Sicher: Auch angesehene Werke wie Brockhaus enthalten Fehler. So etwas lässt sich nie vermeiden. Und während es bei Brockhaus und Co. mitunter Wochen wenn nicht sogar Monate dauert, bis solche Fehler beseitigt sind, lassen sich solche Macken in Wikipedia ganz schnell ausmerzen. Zumindest, wenn es jemand mitbekommt - und den Fehler korrigiert.

Qualitäts-Management muss verbessert werden

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales vergleicht sein Baby gerne mit der ehrwürdigen Encyclopaedia Britannica. Schon bald soll Wikipedia nicht nur mehr Artikel zu bieten haben, sondern auch in punkto Qualität und Zuverlässigkeit die im englischsprachigen Raum als Standardwerk geltende EB übertrumpfen. Damit das gelingt, muss allerdings eine Menge passieren. Wikipedia wächst schnell - aber Masse ist noch nicht Klasse.

Ein argloser Internetbenutzer erwartet auch verlässliche Informationen. Wenn immer wieder zu lesen ist, dass Scherzbolde Falschmeldungen in das Online-Lexikon schmuggeln können, werden sie beim Nachschlagen bei Wikipedia kaum ein gutes Gefühl haben. Darum kümmert sich die Wikipedia-Gemeinde nun verstärkt um das bislang eher vernachlässigte Thema Qualitäts-Management. Nicht nur muss dafür gesorgt werden, dass es fehlerhafte Informationen möglichst nicht bis zur Veröffentlichung schaffen. Es muss auch erreicht werden, dass Beiträge in Wikipedia ein stets gleich hohes Niveau, inhaltlich wie sprachlich, haben. Was zugegebenermaßen schwierig ist, wenn Tausende von Menschen in aller Welt Beiträge schreiben.

Wikipedia hat sich der Herausforderung gestellt. Doch überzeugende und funktionierende Konzepte, wie sich Pannen wie in der Vergangenheit konsequent vermeiden lassen, gibt es bislang nicht. Sicher werden Wikipedia-Autoren künftig nicht mehr ganz so unkontrolliert schalten und walten können wie bislang. Eine andere Idee ist, dass fachkundige Supervisor Bereiche des Lexikons überwachen, zumindest inhaltlich.

Wikipedia eignet sich zwar heute bereits hervorragend als Nachschlagewerk, doch als alleinige Informationsquelle sollte Wikipedia besser nicht genutzt werden. Es schadet nichts, auch noch andere Quellen heranzuziehen. Das allerdings gilt ohnehin ganz grundsätzlich und nicht nur für Wikipedia.

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