Samstag, 01. November 2014

Das Thema des Monats

Google weiß (bald) alles (09.08.2006)

Ich goog[e]le. Du goog[e]lest. Er/sie/es goog[e]lt. In einer älteren Ausgabe des ehrwürdigen Duden kann jeder nachlesen, was viele instinktiv sowieso schon wissen: 'Googeln' ist ein Synonym für 'im Web suchen'. So etwas freut eine Firma zunächst natürlich, wenn ihre Marke derart präsent in den Köpfen ist - wenngleich Google nun gefordert hat, dass 'googeln' eigentlich heißen müsste: mit 'Google im Internet suchen'. Und tatsächlich heißt es genauso in der neuesten, der 24. Ausgabe des Dudens. Trotzdem gilt: Was könnte einem verhältnismäßig jungen Internetdienst Besseres passieren, als dass ein Markenname sich derart etabliert?

In Deutschland gehen 80% aller Suchanfragen an Google

Während amerikanische Datensurfer knapp jede zweite Suchanfrage an Google richten, bewältigt der Suchriese hierzulande sogar über 80 Prozent aller Netzrecherchen. Da sehen andere Suchdienste alt aus. Aber auch, wenn die meisten Google immer noch für einen Suchdienst halten: Google ist längst mehr. Nämlich ein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen, das an der Börse ist. Der Aktienkurs geht durch die Decke - und das nicht etwa, weil sich alle über die qualitativ hochwertigen Suchergebnisse freuen würden, sondern schlicht und ergreifend, weil Google eine Menge Geld verdient. Und zwar mit Werbung. Keiner verteilt Werbung besser und effektiver im Internet als Google. Das Unternehmen platziert nicht nur auf den eigenen Seiten kleine Reklameeinblendungen, stets deutlich als 'Werbung' oder 'Reklame' gekennzeichnet, sondern auch auf Webseiten von Partnern. Jeder Webseitenbetreiber kann sich bei Google anmelden und bekommt dann passende Reklame zugeteilt. Werden die Anzeigen angeklickt, fließt Geld - auch in die Taschen von Google.

Google erkennt Trends früher als alle anderen

Das Erfolgsrezept: Je mehr Google über den Datensurfer an sich, aber auch den einzelnen Webseitenbenutzer weiß, umso gezielter lässt sich Reklame plazieren. Werbung, die perfekt auf die Interessen der jeweiligen Zielperson zugeschnitten ist - ein Traum für jeden Werbetreibenden. Diesem Ziel ist Google schon sehr nah. Möglich wird das, weil Google unfassbare Datenmengen zur Verfügung hat und analysiert.

Weil Google in allen möglichen Bereichen des Internet aktiv ist, kann Google ganz leicht Trends erkennen. Früher als andere. Es gibt viele Datensammelstellen: Google betreibt den kostenlosen Maildienst 'Google Mail', bietet Blogs an, verteilt kostenlos die Foto-Software Picasa und ist mit 'Google Earth' und 'Google Maps' erfolgreich. Und das ist nur eine kleine Auswahl des ständig wachsenden Angebots. Überall fallen Daten an, die interessant sein könnten.

Es entsteht ein Datenmonopol - nicht ungefährlich

Die Kreativität und der Ehrgeiz von Google, neue Ideen immer wieder rasch umzusetzen, sind wirklich beeindruckend. Viele der ausgetüftelten Dienste funktionieren wunderbar, nahezu alle sind kostenlos. Aber auch, wenn man als Benutzer die angebotenen Serviceleistungen sehr gerne in Anspruch nimmt, sollte das nicht über ein wachsendes Problem hinwegtäuschen: Hier entsteht eine unsichtbare Macht, die auf jeden Fall kritisch beobachtet werden sollte. Wissen ist Macht - selten war das zutreffender als heute, in der vernetzten Informationsgesellschaft.

Ein Unternehmen, das Tag für Tag erste Anlaufstelle für hunderte Millionen Menschen ist und täglich mehrere Milliarden Suchanfragen beantwortet, sammelt ein ungeheures Wissen an. Ein Wissensmonopol mit Folgen: Ein Benutzer, der mehrere Dienste von Google nutzt, steht regelrecht 'nackt' da. Wenn Google es darauf anlegt, liegt alles offen: Wonach der User sucht, wie viele Mails der Benutzer schreibt und worüber, welche Städte er sich mit Google Earth anschaut etc. Das reicht für ein lupenreines Profil.

Lange Zeit war Google das sympathische Unternehmen, das Konzernen wie Microsoft oder Yahoo das Fürchten lehrt. Mittlerweile ist Google selbst ein Riese. Und auch, wenn das Firmenmotto 'Don't be evil' lautet, also 'sei nicht böse', so mehren sich doch hörbar die kritischen Stimmen. Denn die wachsenden Gefahren, die das Datenmonopol mit sich bringen, lassen sich nun wirklich nicht wegdiskutieren.

Allerdings gibt sich Google selbst nicht besonders gesprächsbereit und offen: Das Unternehmen teilt meist nur wortkarg mit, wenn ein neuer Dienst auf den Weg gebracht wird. Wohin die Reise geht, was mit den gesammelten Daten alles angestellt wird und warum die wachsenden Sorgen unberechtigt sein sollen, all das ist selten Thema. Schade eigentlich.

Links

zurück

Zum türkischen Bereich
Banner des MedienQuiz

Jung gegen Alt - das MedienQuiz
Mit dem "MedienQuiz" können Familien spielerisch ihr Wissen rund um Medien testen und dabei gemeinsam viel Neues entdecken.

weiter

 

Presse

 

Materialien & Service

 

RSS

 

Mitglieder

 

Über uns / About us

 

Auszeichnungen / Preise

 

E-Mail an die Redaktion

E-Mail an die Redaktion

 


Newsletter abonnieren


Schirmherrschaft: www.unesco.de
 
www.klicksafe.dewww.seitenstark.de

Themen

Online-Communitys  Computerspiele  Jugendschutz  Mobbing  Lernsoftware  Schule  Spieletipps